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Trauer zulassen. Trauern ist menschlich und macht menschlich.

Krankheit, Sterben, Tod und Beerdigung sind mit Trauer verbunden. Viele Menschen heute – und wenn ich richtig sehe, immer mehr – versuchen, Trauer entweder gar nicht aufkommen zu lassen oder sie so schnell wie möglich zu überwinden. Sie empfinden Trauer als unangenehm und für das Leben hinderlich.

Die christlich geprägten Kulturen haben dagegen die Trauer zugelassen und sie sogar empfohlen; sie haben Trauerrituale erstellt – Beerdigungsgottesdienste und -feiern, Totengedächtnis und Totenehrung –, Trauerzeiten festgelegt – acht Tage, vier Wochen, ein Jahr – und Trauerorte bestimmt, vor allem die Friedhöfe. Damit keine Trauer aufkommen kann, meiden heute viele Zeitgenossen Krankenhäuser, Hospize und Friedhöfe. Bestattungen werden Beerdigungsinstituten und/oder den Kirchen überlassen, anonyme Bestattungen nehmen zu.
Die Bibel spricht ausdrücklich von der Trauer. Am bekanntesten ist wohl die zweite Seligpreisung der Bergpredigt: „Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4); sie empfiehlt die Trauer.
Vielen ist auch die Forderung des hl. Paulus bekannt: „Trauert nicht wie die anderen, die keine Hoffnung haben." (1 Thess 4,13). Dieser Bibelvers lehnt nicht das Trauern ab, sondern ist Mahnung, dass die Christen trauern sollen, aber als solche, die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben haben und nicht wie die, die diese Erwartungen nicht kennen.
Trauern im Christentum meint, den Schmerz annehmen, den bereits die Krankheit eines lieben Mitmenschen bewirkt und den sein Sterben und sein Tod vermehren. Die Trauer sollen wir zulassen, weil sie menschlich ist und menschlich macht. Sie lässt den Kranken und Sterbenden spüren: „Ich liebe Dich. Du bist mir wertvoll und dass Du jetzt von mir gehen musst und wir getrennt werden, schmerzt mich und macht mich traurig.“ So drückt man dem Kranken und Sterbenden gegenüber Wertschätzung aus, was ihn tröstet und ihm hilft in seiner Situation. Solches Trauern entfaltet auch die Fähigkeit, die Mitmenschen allgemein mehr wertzuschätzen und zu lieben. Das Trauern entfaltet die Menschlichkeit, indem es die Fürsorge für die Leidenden und Sterbenden vermehrt. Denn wenn man die Mitmenschen liebt, setzt man sich für gute Pflege, gute Medizin, gute Begleitung bis zuletzt für sie ein. Das gemeinsame Trauern bei Krankheit, Sterben und Tod vermehrt auch die sozialen Beziehungen. Deshalb verpflichtet die Bibel: „Entzieh dich nicht den Weinenden, mit den Trauernden trauere!“ (Sir 7,34).
Wenn die Toten bestattet, beweint und betrauert werden, ist das Zeugnis vom Wert des Lebens und der menschlichen Beziehungen und stärkt auch die Hoffnung auf das Wiedersehen im Himmel bei Gott. Das christliche Trauern hat Maß und Vernunft. Es gibt dafür die Rituale wie dunkle Kleidung, die Gottesdienste, die Trauerorte und auch die Trauerzeiten. So wird die Trauer nicht maß- und zeitlos, sondern hat ihre Zeit, wie es im Alten Testament im Buch Kohelet heißt: „Alles hat seine Stunde! … eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz“ (Koh 3,1.4).

Liebe Leserinnen und Leser von Columba!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das christliche Trauern verstehen, zulassen und pflegen. Dann spüren Sie zustimmend und heilbringend: Trauern ist menschlich und macht menschlich!

Dr. Ludwig Schick

Erzbischof im Bistum Bamberg

 

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